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Alarmruf des Wehrbeauftragten – Königshaus geht von erhöhten Suiziden in der Bundeswehr aus
Geschrieben von: Frank Eggen   
Donnerstag, den 06. November 2014 um 12:50 Uhr

Hellmut Königshaus © DBT/UrbanDer Wehbeauftragte, Hellmut Könighaus äußerte sich am 31. Oktober 2014 auf einer Tagung der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) sehr kritisch über den Zustand der Bundeswehr. Er berichtete über erhöhte Anzahl von Suiziden bzw. Suizidversuchen, Hilfloses Personal, Schimmelentfernung und Beziehungsprobleme von Soldaten. So drastische Formulierungen hat man selten von Königshaus in der Öffentlichkeit gehört.


Auf einer Veranstaltung der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) am 31. Oktober 2014 in Berlin sprach der Wehrbeauftragte von einer Abwärtsspirale und wird mit den Worten zitiert: „Wenn wir diese Spirale nicht unterbrechen, dann wird das zum Zusammenbruch des Systems führen“.


Offiziell unter dem Durchschnitt?

Nach seinem Eindruck ist eine steigende Zahl von Suiziden bzw. Suizidversuchen in der Bundeswehr zu beobachten. Die offiziellen Zahlen der Bundeswehr geben diesen Eindruck jedoch nicht wieder. In den Jahren 2011 = 18, 2012 = 24 und 2013 = 18 Suizide in der Bundeswehr registriert. Der Höchststand war 1975 mit 191 Suiziden. Damit liegt laut Einschätzung des Bundesministeriums der Verteidigung die Zahl der Selbsttötungen innerhalb der Bundeswehr im Vergleich unter der Suizidrate des männlichen Anteils der deutschen Bevölkerung.


Nur aktive Soldaten kommen in die Statistik

Die offiziellen Zahlen lassen offenbar keine umfassende Lageeinschätzung zu, es werden bestenfalls nur Suizide von aktiven Soldaten gemeldet und registriert.


Ehemalige Soldaten kommen nicht vor

Nicht mehr aktive Soldaten, Reservisten bzw. Veteranen fallen dabei jedoch durch das Raster, da diese dann nicht mehr als „Besonderes Vorkommnis“ gemäß der ZDV A-2600/6 gewertet werden. Die Bundeswehr ist dann außen vor.


Begründung ist zweifelhaft

Zudem bezweifelt Königshaus offenbar den angegeben Grund, die in den internen Berichten genannt werden. Als Ursache wird meist „im privaten Bereich“ angegeben. Wie "privater" oder "dienstlicher" Grund definiert ist, bleibt offen.


Polizei müsste erfassen

Umfassende Zahlen müssten bei Ermittlungen durch die Polizei erhoben werden. Die Polizei wird automatisch eingeschaltet um ein Fremdverschulden wie z.B. Mord auszuschließen. Diese könnten Melden, wenn es ein ehemaliger Soldat war.


Erst Jahre später

Experten bescheinigen schon lange, dass psychische Probleme wie Depressionen oder die Posttraumatische Belastungsstörung erst nach Jahren akut werden können. Viele Zeitsoldaten sind dann in der Regel nicht mehr im aktiven Dienst. 


Sollte die Fürsorgepflicht der Bundeswehr nicht mit der Entlassungsurkunde enden, und sich für z.B. psychische Einsatzfolgeschäden bei ehemaligen Soldaten, Reservisten oder Veteranen zuständig fühlen, dann kann keiner wirklich sagen, ob es ein Suizidproblem in der Bundeswehr gibt. Wir wissen es einfach nicht. Somit können wir auch nicht sagen, ob die Präventionsarbeit verstärkt werden sollte. 


Suizide in der Bundeswehr von 2000 bis 2009
2000: 362001: 432002: 382003: 372004: 41
2005: 272006: 292007: 192008: 202009: 24


Suizide in der Bundeswehr ab 2010

2010: 232011: 182012: 24
2013: 18

Quelle: BMVg


Weitere Informationen im Internet 

Text: Frank Eggen
Foto: Hellmut Königshaus DBT/Urban