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Bekommen Kriegstraumata einen neuen Namen ? Combat Post-Traumatic Stress Injury?
Geschrieben von: Liesa Dietl   
Sonntag, den 22. Januar 2012 um 15:40 Uhr

PTSD ohne D ?Derzeit befindet sich in den USA der Begriff "Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD)" in deutsch Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) in einem Spannungsfeld. Betroffene fühlen sich durch die Bezeichnung "Disorder" (Störung) stigmatisiert und entmutigt in ihrer Hoffnung auf Hilfe und Behandlung. Psychiater und Psychologen der American Psychiatric Association diskutieren deshalb aktuell im Rahmen der Erstellung der fünften Auflage des Diagnosemanuals DSM über eine Aufsplittung der Diagnose PTSD in die Unterkategorie „combat post-traumatic stress injury“.

Damit wäre deutlicher als jemals zuvor betont, dass die PTSD/PTBS eine Folge der Kriegserfahrungen ist und nicht in einer persönlichen Schwäche oder ähnlichem begründet liegt. Mit der Initiative zur Namensänderung hofft man, nicht zuletzt auch die alarmierend hohen Suizidraten unter Soldaten zu reduzieren.

Eine letzten Monat erschienene Statistik weist allein für November 2011 260 potentielle Suizide von aktiven Soldaten und Reservisten der amerikanischen Armee aus. Die Stigmatisierung, die mit der Diagnose PTBS einhergeht, wird dafür als zumindest teilweise ursächlich angesehen.

Nach wie vor zögern viele Soldaten, sich bei Symptomen wie Depressionen, Alpträumen oder Suizidgedanken Hilfe zu holen. Angst vor Spott, Stigmatisierungen und dem frühzeitigen Ende von Beförderungen sind nur einige der Gründe dafür.

Ist es Soldaten dagegen möglich, sich anonym zu informieren oder anonym auf Hilfe zuzugreifen, vervierfacht das die Wahrscheinlichkeit, dass sie dies tatsächlich tun. Egal ob nun PTSD/PTBS oder „combat post-traumatic stress injury“- wichtig ist, sich vor allem darauf zu konzentrieren, wie man am besten den Betroffenen helfen kann. Sollte die Bezeichnung der Diagnose tatsächlich Betroffene davon abhalten, sich Hilfe zu suchen, dann ist es vielleicht tatsächlich wieder einmal Zeit für einen neuen Namen.

 

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Text: Liesa Dietl
Foto: William Smith