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Traumatisiert bis in die Gene
Geschrieben von: Redaktion   
Freitag, den 12. August 2011 um 10:35 Uhr
Troops in Contact (TIC) im September 2010 in Qala e Zal mit Bravo-Zug der Schutz Kompanie Kunduz. Soldaten im direkten Feuerkampf. © Bundeswehr/vonSöhnenSchlimme Kriegserlebnisse wirken sich nicht nur belastend auf die Psyche aus. Sie verändern auch das Erbgut und seine Aktivität. Das Berichtet die Frankfurter Rundschau in einem Artikel.

Kehren Soldaten aus Afghanistan zurück, richten sich die bangen Blicke der Angehörigen nicht mehr nur auf ihre körperliche Gesundheit. Auslandseinsätze der Bundeswehr belasten zunehmend die Seelen der Soldaten. Knapp fünf Prozent der Bevölkerung durchleben irgendwann eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – und Soldaten zählen zur Hochrisikogruppe.

„Die typischen Symptome einer PTBS sind Flashbacks, belastende Träume, emotionale Taubheit und ständiges Auf-der-Hut-sein“, erläutert Gunther Meinlschmidt, Psychologe an der Universität Basel. In jüngster Zeit mehren sich nun die Hinweise, dass an der Entstehung dieser und vieler anderer Krankheiten epigenetische Veränderungen von Zellen beteiligt sind.

In der Epigenetik geht es um die Regulation von Genen. Diese kann sich durch Einflüsse aus der Umwelt ändern – so auch durch das Trauma im Auslandseinsatz. Dabei werden biochemische Strukturen an und neben den Genen bestimmter Körperzellen modifiziert. Dadurch sind die Gene auf einmal mehr oder weniger aktiv als zuvor. Dieser Einfluss währt nicht nur so lange, wie das Signal aus der Umwelt einwirkt, sondern dauerhaft oder bis ein neuer Umwelteinfluss die epigenetischen Schalter wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Im Fall der PTBS könnte etwa eine erfolgreiche Psychotherapie den Umwelteinfluss rückgängig machen.

Was die Prävention von PTBS bei Soldaten betrifft, scheint es sogar, als hätten die Deutschen bereits eine einigermaßen gute Strategie gewählt. Etwa jeder fünfzigste in Afghanistan eingesetzte Deutsche erkrankte im Jahr 2009 an einer PTBS, ermittelte kürzlich der Psychologe Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden.

 

Weitere Informationen im Internet:

Textauszüge: fr-online.de
Foto: Bundeswehr

 

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