Home Informationen Aktuelles Pentagon veröffentlicht Bericht über Suizide in der US-Armee
Pentagon veröffentlicht Bericht über Suizide in der US-Armee
Geschrieben von: Redaktion   
Samstag, den 07. August 2010 um 17:50 Uhr

Logo: US-SuizidpräventionsprogrammWashington – Die US-Armee verzeichnet traurige Rekordzahlen bei Soldaten, die sich selbst das Leben nehmen. Offenbar unterschätzen noch immer viele US-Kommandeure die psychischen Probleme ihrer Soldaten. Einem Bericht des Pentagon zufolge leidet die Moral der Soldaten. Die Risiken durch psychische Erkrankungen seien oft sogar gefährlicher als der Feind.

In einem vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichten 350 seitigen Bericht "Gesundheitsvorsorge, Risikoverringerung und Selbstmordprävention" gibt es keine Hinweise, dass Soldaten mit wiederholten Kampfeinsätzen im Ausland selbstmordgefährdeter sind als andere. 79% der Soldaten die Suizid begangen haben, waren nur einmal oder überhaupt noch nicht im Kampfeinsatz. Vize-Generalstabschef der US-Armee, General Peter W. Chiarelli schließt einen Zusammenhang dennoch nicht aus.

Suizidrate weiter gestiegen

Die Suizidrate in der US-Armee hat bisher unter derjenigen in der amerikanischen Zivilbevölkerung gelegen. Doch beginnend mit dem Jahr 2004 ist sie gestiegen, 2008 ist sie mit 20,2% (bezogen auf 100.000 Soldaten) über dem Wert in der Zivilbevölkerung (19,2%) gestiegen.

160 aktive Soldaten nahmen sich laut dem Bericht 2009 das Leben. Im Juni erreichten die Suizidzahlen mit 32 Fällen ein neues Allzeithoch. Seit Jahresbeginn nahmen sich 80 aktive und 65 Reserve-Soldaten das Leben.

Das Suizidrisiko bei Soldaten, die erst spät mit etwa 28 oder 29 Jahren in die US-Armee eintreten, sei drei Mal höher als bei anderen. Besonders häufig sind Suizide im ersten Dienstjahr, mit der Dauer des Dienstes nehme das Risiko ab.

Das sind die, die uns so verwirren

Beunruhigt zeigte sich Chiarelli, von den vielen Suiziden ohne offensichtlichen Grund. Zwei- bis dreimal pro Monat nähmen sich Soldaten das Leben, bei denen es keinerlei Hinweise auf schwerwiegende Probleme gegeben habe. "Das sind die, die uns so verwirren und schwer zu verstehen sind", sagte Chiarelli bei einer Pressekonferenz.

Wir sind uns oft gefährlicher, als der Feind

Bei unfallbedingten Todesfällen sind oft Alkohol und Drogen im Spiel. Es sterben mehr junge Frauen und Männer durch eigene Handlungen als durch den Feind. „Wir sind uns oft gefährlicher, als der Feind“ so Chiarelli.

Die Disziplin in der Truppe werde anscheinend gar nicht mehr konsequent eingefordert, bemängelt der Bericht. Mehr als 1000 Soldaten, die bereits zwei oder mehr Straftaten begangen haben, sind demnach immer noch in der Armee.

Schutzmassnahmen

Schutzmassnahmen gegen Depressionen, Angstzustände und Selbstmordgedanken bei den Soldaten fordert der General Chiarelli nach Auslandseinsätzen eine längere Zeit in der Heimat. Er hoffe, dass sie bald für jedes Jahr im Ausland zwei Jahre in der Heimat bleiben könnten. Derzeit sei die Armee in dieser Hinsicht "aus dem Gleichgewicht.

Soldaten nicht lächerlich machen

US-Generalstabschef Mike Mullen forderte angesichts der vielen Selbstmorde die Offiziere auf sicherzustellen, dass Soldaten, die psychologische Hilfe brauchen, nicht lächerlich gemacht werden oder Karriereprobleme bekommen.


Weitere Informationen im Internet


Text: Eggen/US-Army
Bild: US-Army

 

Weitere Themen