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Immer mehr traumatisierte Bundeswehrsoldaten
Geschrieben von: Redaktion   
Mittwoch, den 28. April 2010 um 16:19 Uhr

Der Einsatz in Afghanistan wird gefährlicher und belastender: In den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der traumatisierten deutschen Soldaten verdreifacht. Bundeswehrpsychiater Oberstarzt Dr. med. Peter Zimmermann rechnet mit einer weiteren Zunahme.

In den vergangenen Wochen sind sieben Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ums Leben gekommen - für die gesamte deutsche Truppe wird der Einsatz nach der Meinung von Experten psychisch immer belastender. Darauf verwies Oberstarzt Dr. med. Peter Zimmermann, leitender Psychiater am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin, in der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Wir hatten 145 in 2007, in 2008 waren es 245 und 2009 dann 466 Fälle mit posttraumatischen Belastungsstörungen", sagte er.

Es sei zu vermuten, dass die Behandlungshäufigkeit weiter steige und die zunehmenden Kampfhandlungen mit hinein spielten. "Das erhöht wahrscheinlich auch die Traumazahlen. Wenn jemand sieht, wie ein Kamerad stirbt, wirkt sich das sicher schwerer aus, als wenn er sieht, dass ein Kamerad "nur" verletzt wird." Mit Todesfällen sei ein "erhöhter Traumadruck" verbunden. "So lange wir in Kampfeinsätzen sind, wird uns das Problem begleiten. Und wenn die Kampfeinsätze schärfer werden, wird das Problem zunehmen", sagte Dr. Zimmermann.

Der Mediziner mahnte außerdem eine größere gesellschaftliche Unterstützung der deutschen Soldaten an: "Ich höre immer wieder von Soldaten, die sagen: Wir kommen hier nach Hause und keiner interessiert sich für uns", sagte der Oberstarzt. "Je mehr eine Gesellschaft hinter ihren Soldaten steht, desto besser wird es ihnen gehen - auch psychisch." Viele junge Leute gingen aus Idealismus in einen derartigen Einsatz und wollten etwas für ihr Land tun. Das sollte man wertschätzen, forderte Dr. Zimmermann.


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