Home Informationen Aktuelles Selbstmorde und Depressionen: Stresstraining soll US-Soldaten helfen
Selbstmorde und Depressionen: Stresstraining soll US-Soldaten helfen
Geschrieben von: Redaktion   
Mittwoch, den 19. August 2009 um 11:03 Uhr

The Spiritual Fitness Center on the Resiliency Campus at Fort Hood, Texas, is photographed July 28, 2009. U.S. Army Chief of Staff Gen. George W. Casey Jr. visited the campus to observe techniques being applied to help Soldiers build resilience. (U.S. Army photo by D. Myles Cullen/Released)Um die Soldaten auf die seelischen Belastungen besser vorzubereiten, plant die US-Army nach Angaben der «New York Times» ein psychologisches Hilfsprogramm mit Kosten in der Höhe von 117 Millionen Dollar.

Hunderttausende Menschen stehen bei der US-Army im aktiven Dienst, und viele von ihnen waren schon im Einsatz im Irak und Afghanistan – zwei Kriege, die deutlichen Verschleiss hinterliessen. Rund ein Fünftel der Soldaten, die von dort zurückkehren, hat im Anschluss mit psychischen Problemen zu kämpfen – von Depressionen und Angststörungen bis hin zum Wunsch, sich selbst zu töten, wie die «New York Times» auf ihrer Webseite berichtet.

Um die Soldaten auf die seelischen Belastungen besser vorzubereiten, plant die US-Army der Zeitung zufolge das erste psychologische Hilfsprogramm in seiner Geschichte – zu Kosten von 117 Millionen Dollar, wie der Stabschef George W. Casey Junior sagte. Ziel des Programms sei letztlich, so der General, die militärische Kultur zu verändern, in der Gespräche über Gefühle als Zeichen von Schwäche angesehen würden.


90 Minuten im Klassenverband

Michael Rinehart, with the Walter Reed Army Institute of Research with U.S. Basic Training Students at Fort Jackson, s.c., july 30,2009.(U.S Army  Photo by D. Myles Cullen)Das Programm, das im Oktober beginnen soll, soll Aktiven und Reservisten zugute kommen und basiert auf gängigen Techniken. In wöchentlichen Klassenstunden von 90 Minuten Dauer sollen Denkmuster, die zu Ärger und Frustration führen, entlarvt und entschärft werden. Wie zum Beispiel der Gedanke, dass die Ehefrau fremdgehen könnte – nur weil sie bei einem Anruf nicht ans Telefon geht.

Solche Methoden wurden bislang zum Beispiel in amerikanischen Schulen erprobt – mit Erfolg, wie sich bei manchen Teenagern zeigte, die im Anschluss emotional stabiler waren. Doch im militärischen Bereich gibt es keine Belege für solche Effekte. «Man muss klar sagen, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass irgendein Programm Soldaten belastbarer macht», sagte der Psychologe George A. Bonanno von der Columbia University laut dem Bericht. Immerhin werde das Army-Projekt eine Antwort auf eine wichtige Frage in der Psychologie liefern: Kann man mentale Belastbarkeit in einem Klassenverband lernen?


Kulturwandel als Herausforderung

Selbst Fünf-Sterne-General Casey plagen noch Zweifel an der geplanten Psychologie-Schulung. «Ich bin immer noch nicht sicher, ob unsere Kultur dafür bereit ist», erklärte er im Interview mit der «New York Times», «das macht mir die grössten Sorgen». Und so fragte er während einer psychologischen «Trainingseinheit», die in einem Hotel stattfand, eine Gruppe von Soldaten, was sie davon hielten.

Die Antworten fielen erwartungsgemäss zwiespältig aus. Während einige das Programm nützlich fanden, war es anderen zu «gefühlsduselig»: Eine formale Psychologiestunde sei wenig verlockend für einen jungen Soldaten, so ein Sergeant, «der nichts anderes will, als mit seinen Kumpeln herumzuhängen und Bier zu trinken».

Text: thurgauerzeitung.ch

Bilder: D. Myles Cullen / US Army

Weitere Informationen im Internet: