Home Informationen Aktuelles Traumatisierung darf kein Makel sein - Themenabend war ein großer Erfolg
Traumatisierung darf kein Makel sein - Themenabend war ein großer Erfolg
Geschrieben von: Almut Lüder   
Donnerstag, den 25. Juni 2009 um 18:56 Uhr

Viele Vertreter der Medien verfolgten gespannt der DiskussionVerwundet an der Seele, im Stich gelassen von der Gesellschaft und Probleme bei der Wiedereingliederung nach einem gefährlichen Auslandseinsatz in Afghanistan: Extreme, die Soldaten sehr belasten können. Sie bedürfen dringend der Abhilfe. Das wurde bei einem Themenabend deutlich, zu dem Irrsinnig menschlich e.V. zusammen mit der Initiative Angriff auf die Seele, der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. (KAS), der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. (EAS) und der Deutsche BundeswehrVerband in Berlin eingeladen hatte. Das Interesse der Medien war riesig.

Der Themenabend fand statt unter dem Motto „Weit weg – Daheim Auslandseinsätze der Bundeswehr: Wie SoldatInnen und Angehörige damit umgehen“ und unter dem Eindruck der drei jüngst getöteten Soldaten in Afghanistan.


Im Gespräch

Die Teilnehmer auf dem Podium„Die Gesellschaft muss akzeptieren, dass die Seele genauso verwundbar ist wie die Seele“, lautete der Hilfeschrei von Hauptfeldwebel Boris Schmuda, der selbst bei einem Anschlag 2007 in Afghanistan verwundet wurde und der einen langen Leidensweg hinter sich hat. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), bedauerte es, dass es noch immer als ein Makel gelte, wenn jemand psychisch auffällig sei. Robbe verwies auf die Notwendigkeit hin, ein eigenständiges Kompetenzzentrum für Soldaten mit einem Posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) nach Auslandseinsätzen einzurichten.

v.l. Moderator Mathis Feldhoff, Generalarzt Dr. Christoph Veit, Hauptfeldwebel Boris Schmuda im GesprächMit ihm solle es künftig möglich werden, Soldaten nach dem Auslandseinsatz gezielter zu helfen. „Ein überschaubares, aber wirkungsvolles Team“ aus Psychiatern und Psychologen werde bald einen Anfang machen, kündigte Generalarzt Christoph Veit vom Bundesverteidigungsministerium an. Zwar verzeichnet der Leitende Psychiater am Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Dr. Peter Zimmermann, eine steigende Zahl von Soldaten mit PTBS, die sich bei Hilfseinrichtungen der Bundeswehr melden. Bei weiter steigenden Zahlen müsse man jedoch über den weiteren Ausbau der Kapazitäten spechen. Noch hätten immer  viele Soldaten Angst, sich einer anstrengenden Therapie zu unterziehen. Bei ihr gehe es darum, diese Soldaten psychisch zu stabilisieren, sowie ihnen bei der Verarbeitung ihrer schrecklichen Erlebnisse und bei der Wiedereingliederung in den Alltag zu helfen. „Soldaten sagen: Ich fühle mich in diesem Land nicht mehr zuhause“, berichtete Dr. Zimmermann aus seiner Praxis über die Schwierigkeiten der Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Auslandseinsatz.

Die zahlreichen Zuschauer„Die Leute schauen zu sehr weg. Das ist sehr schade. Wir sind dort für unser Land“, kritisierte Hauptfeldwebel Schmuda auch die mangelnde Wertschätzung des militärischen Einsatzes am Hindukusch seitens der Gesellschaft. „Wir brauchen mehr Zuwendung“, forderte Robbe. Er nannte zwei Möglichkeiten, sich mit den Soldaten stärker zu solidarisieren. Die beiden Kirchen könnten an einem speziellen Tag im Jahr der Soldaten gedenken. Die Gewerkschaften könnten bei ihren Maikundgebungen eine Gedenkminute für die Soldaten einlegen. Das wären Beispiele „positiven Patriotismus“.

Im Anschluss würde locker und offen diskutiert.Unter starkem Applaus des großen Publikums, in dem allein 40 Kompaniechefs vertreten waren, forderte Generalmajor Hans-Werner Fritz (Kommandeur Division spezielle Operationen), dass Soldaten nach ihrer Rückkehr einen Zwischenaufenthalt auf neutralem Raum einlegen. Der könne den Soldaten mit ihren „harten Bildern“ im Kopf die Rückkehr in ihre Familien erleichtern. Die hohen Erwartungen seien beidseitig groß, und führten möglicherweise zu Überforderungen und Konflikten.



Video: bwtv - Nachrichten vom 25.06.2009



Das Feedback der Medien:

Text: Almut Lüder
Fotos: Doreen Bierdel

Mit freundlicher Unterstützung:

Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V.Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V.

Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung Deutschland e.V.Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung Deutschland e.V.

Deutscher Bundeswehr Verband

 

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