Home Hilfe Therapien & Hilfen Die Traumatherapie
Die Traumatherapie
Geschrieben von: Dr. med. Peter Zimmermann   

Eingangsbereich des Bundeswehrkrankenhauses in BerlinDie Traumatherapie wird Soldaten angeboten, die über schwerwiegende Einsatzerlebnisse nur schlecht hinwegkommen und dadurch z.B. unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder ähnlichen Symptomkomplexen leiden. Die Bundeswehrkrankenhäuser in Hamburg, Berlin und Koblenz halten ein umfangreiches Therapieangebot für die Verarbeitung der psychischen Folgen von Auslandseinsätzen bereit.

 

Vielfältiges Therapieangebot für psychische Einsatzfolgen in Bundeswehr-Krankenhäusern

Die Bundeswehrkrankenhäuser halten ein umfangreiches Therapieangebot für die Verarbeitung der psychischen Folgen von Auslandseinsätzen bereit.

Dazu gehören:

  • Traumatherapie
  • Gesprächstherapien zur Lösung privater und dienstlicher Konflikte
  • Gruppentherapien zur Verbesserung sozialer Kompetenzen
  • Seelsorgerische und sozialdienstliche Gespräche
  • Entspannungstherapien
  • Ergotherapie
  • Bewegungstherapien
  • Alternative Therapien (z.B. Aromatherapie, Akupunktur)

 

In der ersten Therapiephase erlernt der Patient Stabilisierungstechniken, d.h. er trainiert seine Fähigkeit, belastenden Gefühlen entgegen zu treten und sie abzumildern. Beispielsweise verfügt jeder Mensch über Erinnerungen oder Phantasiebilder zu einem Ort, der ihm Ruhe und Kraft gibt, wenn er an ihn denkt. Die intensive Vorstellung davon führt zu innerer Entspannung und mildert dadurch belastende Gedanken und Emotionen.

In der zweiten Therapiephase begegnet der Patient in Begleitung des Therapeuten und in einem Sicherheit bietenden Umfeld noch einmal dem Trauma, ordnet es dabei und lernt den Umgang mit den Erinnerungen. Dabei können zur Unterstützung Augenbewegungen (sogenanntes EMDR-Verfahren) angewandt werden, diese erreichen dann Effekte wie in einer Art Tagtraum.

In der dritten Therapiephase kehrt der Patient in sein normales Leben zurück. Er lernt aus seinen schlimmen Erfahrungen, findet ggfs. neue Wege der Lebensgestaltung. Ziel ist im Regelfall die unbeeinträchtigte Fortsetzung einer befriedigen Dienst- und Arbeitstätigkeit.

Gesprächstherapien zur Lösung privater und dienstlicher Konflikte

Belastende Einsatzerlebnisse ziehen nicht selten Konflikte im privaten und dienstlichen Umfeld nach sich, denn die Betroffenen sind reizbarer und dünnhäutiger als vor dem Einsatz. In den Gesprächen werden Ursachen für die Konflikte gesucht und Lösungsstrategien erarbeitet. Dabei besteht auch die Möglichkeit, dass der Partner oder die Partnerin an Gesprächen teilnehmen.

Gruppentherapien zur Verbesserung sozialer Kompetenzen

Neben Einzelgesprächen zur Lösung zwischenmenschlicher Konflikte kann es sich gerade bei jungen traumatisierten Patienten anbieten, gezielt soziale Kompetenzen wie „Recht durchsetzen“, „Beziehungen gestalten“ oder „Sympathie erzeugen“ in einer Gruppe von Mitpatienten mit ähnlichen Problemen gemeinsam zu trainieren. Die Teilnehmer schätzen daran oft  insbesondere den Gruppenzusammenhalt und das „voneinander-Lernen“ in den Gruppen.

Seelsorgerische und sozialdienstliche Gespräche

In den Bundeswehrkrankenhäusern arbeiten stets auch katholische und evangelische Seelsorger sowie Sozialarbeiter bei der Patientenversorgung mit. Diese decken Themen außerhalb der ärztlichen Kompetenz ab, wie z.B. Sinn- und Glaubensfragen oder Schuldenproblematiken.

Entspannungstherapien

Entspannungstherapien stellen eine wichtige Ergänzung der Gesprächs- und Gruppentherapien dar, denn in ihnen lernt der Patient Techniken, wie er selbständig und aktiv von einem angespannten Zustand in eine angenehme Entspannung wechseln kann. Beispiele sind imaginative Techniken, die Atementspannung oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

Ergotherapie

Die Ergotherapie gehört zu den Kreativtherapien, in denen Patienten die Möglichkeit haben, belastende Gefühle und Gedanken, aber auch positive Ressourcen bildnerisch mit verschiedenen Techniken (z.B. Malerei, Ton, Stein) darzustellen. Dabei findet eine Auseinandersetzung mit diesen Inhalten statt, ohne dabei die Sprache benutzen zu müssen.

Bewegungstherapien

Regelmäßige Bewegung jeder Art ist für einsatzbelastete Soldaten sehr wichtig, denn sie bietet Möglichkeiten der Ablenkung und Spannungsabfuhr. In den Bundeswehrkrankenhäusern bestehen vielfältige Sport- und Bewegungsmöglichkeiten (z.B. Schwimmen, Fahrradergometer, Jogging). Z.T. werden auch Verfahren der Alternativmedizin (wie Tai-Chi oder Qi-Gong) angeboten.

Alternative Therapien

Die moderne Medizin versucht immer mehr, zu einem ganzheitlichen therapeutischen Ansatz zu finden und bezieht daher traditionelle Verfahren außerhalb der „Schulmedizin“ zunehmend in die Patientenbehandlung ein.
Dazu gehört in der Traumatherapie z.B. die Aromatherapie, bei der durch das Riechen angenehmer Düfte Entspannung, aber auch die Verminderung von Ängsten und Aggressionen erreicht werden kann.
In der Akupunktur werden mit kleinen Nadeln bestimmte wirksame Punkte auf der Haut durch ein (kaum spürbares) Anstechen gereizt. Dadurch können z.B. hartnäckige Schlafstörungen nach Auslandseinsätzen deutlich gebessert werden.