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Leserbrief zum Artikel „Insider warten auf den ersten Amoklauf“ Süddeutsche Zeitung vom 16. Juli 2009
Geschrieben von: Frank Eggen   
Montag, den 20. Juli 2009 um 09:58 Uhr

Logo LMU und SbEIn einem Leserbrief reagieren der Vorsitzende SbE-Bundesvereinigung und das Department Psychologie (LMU München) auf den Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 16. Juli 2009. In dem Artikel wurde pauschal der Einsatz des Critical Incident Stress Management (CISM) in der Bundeswehr kritisiert.

Diese pauschale Kritik stieß bei den Fachleuten der Bundeswehr auf Verwunderung. Seit Jahren findet das erwähnte Gruppen-Debriefing im Rahmen der psychologischen Kriesenintervention in der Bundeswehr keine Verwendung mehr.


Der Leserbrief im Wortlaut:

Leserbrief zum Artikel „Insider warten auf den ersten Amoklauf“ Süddeutsche Zeitung vom 16. Juli 2009

Die Unterstützung von Soldaten und auch zivilen Einsatzkräften ist eine wichtige und schwierige Aufgabe. Diesem Anliegen erweist der Artikel „Insider warten auf den ersten Amoklauf“ durch Ungenauigkeit, Verkürzung und Einseitigkeit einen Bärendienst.

Zutreffend wird darauf hingewiesen, dass tatsächlich viele Soldaten und Einsatzkräfte im Haupt- und Ehrenamt belastet oder sogar erkrankt sind. Ansonsten werden in dem Artikel leichtfertige Schlussfolgerungen aus verkürzt dargestellten Untersuchungsergebnissen und Einzelmeinungen gezogen. Dies geht auf Kosten der Betroffenen, denen in der Folge u.U. dringend notwendige Unterstützungsangebote vorenthalten werden. Ein dazu geeignetes differenziertes Maßnahmenpaket (CISM, SbE) ist in dem Artikel offensichtlich nicht verstanden worden. Die Gleichsetzung und dazu unsachgemäße Verurteilung einer Einzelmaßnahme (Debriefing für Einsatzkräfte) mit dem Gesamtpaket CISM (z.B. Schulungen vor Einsätzen, Einzel- oder Gruppenangebote, Vermittlung in Therapie, Unterstützungsangebote für Angehörige) verrät weder Sachverstand noch ausreichende Recherche.

Der Artikel zeichnet insgesamt ein Bild, das den Betroffenen schadet. Das ist umso ärgerlicher, als keine Alternativen genannt werden. Die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk, die Freiwilligen Feuerwehren, die Bundespolizei und andere Organisationen nutzen die Methode CISM, um ihre Einsatzkräfte zu unterstützen und gesund zu erhalten. Dass man hier umsichtig und verantwortlich vorgehen muss, z.B. das Retraumatisierungs- Risiko zu beachten ist, ist unumstritten. Aktuelle deutsche Forschungsarbeiten im Auftrag des Bundesinnenministeriums haben die notwendigen Fragestellungen im Blick. Seriöse Einsatznachsorge-Organisationen orientieren sich seit jeher an diesen wissenschaftlichen Ergebnissen und bilden ihre Mitarbeiter entsprechend aus. Dieser differenzierten Arbeit wird der Artikel in keiner Weise gerecht.

16.07.2009

Oliver Gengenbach
Witten
Vorsitzender SbE-Bundesvereinigung

Dr. Marion Krüsmann
München
Department Psychologie, LMU München.

 

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