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Soldatin fälschte nach Fehlgeburt Atteste
Geschrieben von: Nürnberger Nachrichten   
Sonntag, den 19. Juli 2009 um 18:07 Uhr
Nürnberg - Fast ein Jahr schwänzte sie den Dienst in ihrer Kaserne, die ärztlichen Atteste fälschte sie. Nun wurde eine Nürnberger Zeitsoldatin (22) zu elf Monaten Haft verurteilt, dazu muss sie 2000 Euro bezahlen.

Das Wehrstrafgesetz kennt kein Pardon: Geldstrafen sind nicht möglich, Freiheitsstrafen müssen verhängt werden. Im aktuellen Fall drohen der 22-jährigen Soldatin wegen «Dienstentziehung durch Täuschung», wie es im Juristendeutsch heißt, bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Am 28. April 2007 erlitt die Frau eine Fehlgeburt. Auf dem Gelände der Bundeswehr Bruchsal brach sie, in der elften Woche schwanger, blutend zusammen, wie sie im Amtsgericht schildert. Über alles, was danach passierte, schüttelt sie heute selbst den Kopf. «Wie konnte ich nur so bescheuert sein», schluchzt sie im Amtsgericht.

 

Nerven haben versagt

Nach der Fehlgeburt schrieb sie der Stabsarzt eine Woche krank, dann verrichtete sie zwei Wochen lang ihren Dienst in einer Berliner Kaserne. Als die Zeitsoldatin anschließend wieder zu ihrer Einheit, dem ABC Abwehrregiment der Kaserne Bruchsal, zurückkehren sollte, versagten ihre Nerven. Von Juni 2007 bis Mai 2008 blieb sie daheim, grübelte jeden Tag erneut darüber nach, wie es weitergehen sollte.

Fast ein Jahr lang schickte sie 13 gefälschte Atteste zu ihrer Einheit. Kurz bevor sie aufflog, bezichtigte sie in einem Schreiben an den «Sehr geehrten Herrn Hauptmann» ihren Ex-Freund der Taten - er habe die Krankmeldungen nachgemacht. Am 1. Juni 2008 kamen die Feldjäger, holten sie zu Hause ab und brachten sie zur Truppe. Am 7. Juli 2008 wurde die Zeitsoldatin, sie hatte sich für sieben Jahre, bis November 2012, verpflichtet, aus dem Dienst der Bundeswehr entlassen. Ihren Wehrsold in Höhe von 14.000 Euro muss die Frau zurückzahlen.

Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt ihr verminderte Schuldfähigkeit; nach der Fehlgeburt habe sie unter einer posttraumatischen Störung gelitten, zur Kaserne in Bruchsal, dem Ort der Tragödie, konnte sie nicht zurückkehren.

 

Quelle: Nürnberger Nachrichten