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Neue Bundesregierung möchte die Einrichtung eines Trauma-Zentrums mit Priorität verfolgen
Geschrieben von: Frank Eggen   
Sonntag, den 25. Oktober 2009 um 12:24 Uhr

v.l. Minister Guttenberg und Jung bei der Kranzniederlegung am 20. Juli 2009, dem 65. Jahrestag des Attentats- und Umsturzversuchs gegen Hitler im Ehrenhof des Bendlerblocks in BerlinIn der Nacht zum Samstag, den 24. Oktober 2009 endeten die Koalitionsverhandlungen der CDU/CSU und FDP. Neuer Verteidigungsminister soll Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg werden. Minister Dr. Franz Josef Jung soll das Bundesministerium für Arbeit und Soziales übernehmen.


Fachbereich psychische Gesundheit

Vor kurzer Zeit stellte die Bundeswehr erstmals auf den Internetseiten den Bereich „Fachbereich psychische Gesundheit“ vor. Aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags im Februar 2009 hatte Verteidigungsminister Dr. Jung den neuen Bereich im Februar 2009 angekündigt. Das Berliner Institut für Medizinischen Arbeits- und Umweltschutz der Bundeswehr wurde daraufhin im Mai um diesen Fachbereich erweitert.

Ziel dieses neuen Bereiches soll sein, die psychische Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten zu stärken sowie Präventiv- und Therapiemaßnahmen auszuloten. Der Schwerpunkt liegt auf PTBS. Alle Zahlen, Daten und Fakten sollen aus den Bundeswehrkrankenhäusern zukünftig in Berlin erfasst und ausgewertet werden. Darauf aufbauend werden dann Therapiestrategien erforscht und verbessert. Der neue Bereich hat keinen Behandlungsauftrag. Die Behandlung erfolgt weiterhin dezentral in den Bundeswehrkrankenhäusern.

Neuer Koalitionsvertrag

In Folge wird diese Strategie offenbar laut Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP erweitert bzw. überdacht. Wie am Samstag bekannt wurde, möchte die neue Bundesregierung ein "richtiges" Zentrum aufbauen und es nicht nur bei einem Fachbereich, wie derzeit geplant, belassen.

Im Koalitionsvertrag heißt es dazu wörtlich am Zeile 5816: „Unsere Fürsorgeplicht gilt im besonderen Maße den in Ausübung ihres Dienstes zu Schaden Gekommenen und ihren Familien. Für die Folge belastender Ereignisse traumatisierte Soldatinnen und Soldaten wird die Einrichtung eines Trauma-Zentrums mit Priorität verfolgt“.

Eine Reaktion auf Kritik der bisherigen Pläne ?

Der im Mai aufgestellte Kompetenz- und Forschungsbereich sah sich von Beginn kritischen Stimmen ausgesetzt. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, merkte jüngst an: Woran es trotz gut ausgebildeter Neurologen und Psychologen bei der Bundeswehr fehle, sei ein funktionierendes Forschungs- und Kompetenzzentrum - "ein Institut, das auch wirklich diesen Namen verdient. Und das, was bisher von der Führung der Sanität gegründet -beziehungsweise ich würde eher sagen: einem bestehenden Institut angeflanscht - wurde, kann nicht das erfüllen, was der Deutsche Bundestag als ganz klare Definition verabschiedet hat."

Der Wissenschaftsrat hat dieses Jahr ebenfalls das Institut für Medizinischen Arbeits- und Umweltschutz der Bundeswehr insgesamt scharf kritisiert. Er bemängelte grundsätzliche personelle und strukturelle Schwachstellen. In seinem Urteil empfahl der Wissenschaftsrat grundlegende, sehr kosten- und zeitaufwendige, Umstrukturierungen bzw. die Übertragung der Aufgaben an andere wehrmedizinische Einrichtungen, wobei auch die Schließung des gesamten Institutes angeraten wurde. Zu der Zeit war dort der neue Bereich „Kompetenz- und Forschungsbereich Psychische Gesundheit“ noch nicht eingerichtet.

Am 24. Juni 2009 versprach Generalarzt Christoph Veit auf einem PTBS-Themenabend in Berlin mit Blick auf den neuen Fachbereich: „Ein überschaubares, aber wirkungsvolles Team aus Psychiatern und Psychologen wird bald einen Anfang machen“. Zu dem versprach er im Herbst eine erneute Überprüfung des Fachbereiches. 

Und legislaturperiodisch grüßt das Murmeltier…

Zudem möchte die neue Regierung ähnlich wie 1999 mit der „Weizsäcker-Kommission“ eine Kommission einsetzen, die bis 2010 Eckpunkte für eine neue Organisationsstruktur der Bundeswehr vorschlägt. Ziel ist die Straffung der Führungs- und Verwaltungsstrukturen. Die Wehrpflicht soll ab dem 1. Januar 2011 auf 6 Monate verkürzt werden. Weiter soll ein Maßnahmenpaket die Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr steigern und die Vereinbarkeit von Familie und Dienst sowie die Kinderbetreuung verbessert werden.


Weitere Informationen im Internet:


Text: Frank Eggen
Foto: Andrea Bienert/Bundeswehr